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Teil 3: Die verborgene Kraft der Asanas

Das „Klassische Programm“ von Swami Janakananda

Eine Möglichkeit von den Wirkungen zu profitieren, ist das Praktizieren des klassischen Programms von Swami Janakananda. Dies wurde ursprüngliche vor etwa hundert Jahren vom indischen Swami Sivananda Saraswati zusammengestellt.  

Wie wirkt dieses Programm auf die genannten Systeme? 

Wichtig ist, dass die Stellungen des Programms in der richtigen Reihenfolge ausgeführt werden, damit Stellungen und Gegenstellungen in der richtigen Reihenfolge ausgeführt bleiben, um die volle Wirkung zu entfalten: Totenstille (Shavasana), der Kopfstand (Shirshasana), die Palme (Tadasana), der Schulterstand (Sarvangasana), der Pflug (Halasana), die Umkehrende Stellung (Vipareta Karani Asana), der Fisch (Matsyasana), die Rückenstreckung (Paschimottanasana), die Bauchdehnung (Supta Vajrasana), die Rückraddrehung (Ardha Matsyendrasana), die Kobra (Bhunjangasana), die Heuschrecke (Shalabasana), der Bogen (Dhanurasana) und zum Abschluss die Yogahaltung (Yoga Mudra). Doch was macht diese spezielle Abfolge so wirkungsvoll? Jede Haltung wirkt in einer bestimmten Weise auf die Systeme – entspannend, aktivierend oder harmonisierend.

Wirkungen von Asana des „Klassischen Programms“ auf das Nervensystem und das allgemeine Wohlbefinden

Asanas wirken direkt auf das Nervensystem, indem sie den Körper in eine Balance zwischen Anspannung und Entspannung bringen. Dies geschieht durch verschiedene Impulse. Als erstes steht die Aktivierung des Parasympathikus: Sanfte, langsame Bewegungen und bewusste Atmung beruhigen den Sympathikus und aktivieren den Parasympathikus. Das Ergebnis ist ein Zustand tiefer Entspannung, der Stress abbaut und Heilungsprozesse im Körper fördert. Auch kann man den Sympathikus bei Bedarf stärken. Dynamische, kraftvolle Asanas aktivieren diesen und fördern so Wachsamkeit, Energie und mentale Klarheit. 

Grundsätzlich fördern Asana die Resilienz, Regelmäßiges Üben hilft dem Nervensystem, flexibler zu werden. Das bedeutet, der Körper kann schneller zwischen Aktivierung (Sympathikus) und Entspannung (Parasympathikus) wechseln. Dies verbessert die Stressbewältigung im Alltag und hilft, Burnout oder chronische Anspannung zu vermeiden. Yoga-Stellungen können sowohl den Sympathikus als auch den Parasympathikus gezielt ansteuern und ausgleichen.

Das langsame und bewusste Wechseln zwischen den der Stellungen beruhigt das Nervensystem und fördert einen Zustand tiefer Entspannung. Jede Bewegung wird achtsam ausgeführt, wodurch Stress reduziert und die innere Ruhe gestärkt wird. 

Besonders in der Totenstille (Shavasana) sinkt der Körper in einen Zustand völliger Regeneration, was den Geist zur Ruhe bringt und psychische Stabilität fördert. Das lange Halten der Stellungen, wie im Kopfstand (Shirshasana), hat eine stark beruhigende Wirkung, denn der Kopfstand stimuliert den Vagusnerv, der eng mit dem Parasympathikus verbunden ist. Dies senkt die Herzfrequenz und fördert ein Gefühl der Ruhe und vermindert Gefühle der Angst und Nervosität. 

Auch die Rückraddrehung (Ardha Matsyendrasana) stimuliert das zentrale Nervensystem und wirkt körperlichen sowie mentalen Spannungen entgegen. Zum Abschluss wirkt die Yogastellung (Yoga Mudra) harmonisierend und beruhigend auf den ganzen Körper, wodurch die positiven Effekte der Praxis nachhaltig vertieft werden.

Durch Yoga wird das Nervensystem also nicht nur körperlich beeinflusst, sondern auch emotional stabilisiert. Stress, Angst und Überforderung werden abgebaut, und wir fühlen uns innerlich zentriert. Durch regelmäßiges Praktizieren von Yoga lernen wir, in herausfordernden Situationen ruhig zu bleiben, eine Fähigkeit, die sich vom Yoga-Matten-Alltag in den Lebensalltag überträgt.

Zusammenfassend kann man sagen: Yoga harmonisiert das Nervensystem, indem es den Körper und Geist zwischen Aktivierung und Entspannung in Balance bringt.

Wie Asanas Organe und Drüsen stimulieren

Die Wirkungen der Asanas auf Organe und Drüsen basieren auf mehreren Mechanismen. Zum einen üben die Haltungen mechanischen Druck aus, der die Organe sanft massiert, ihre Durchblutung fördert und sie von Stauungen befreit. Zum anderen führt die bewusste Atmung, die in jeder Yoga-Praxis integriert ist, zu einer besseren Sauerstoffversorgung der Organe. Gleichzeitig helfen Umkehrhaltungen, den Blutfluss zu wichtigen Drüsen zu lenken, während Drehungen und Beugen die Nervenbahnen stimulieren, die mit den Organen verbunden sind. Jetzt schauen wir uns die Wirkungen der Asana konkreter an.

Wirkung auf das endokrine System

Bei der Betrachtung des endokrinen Systems, geht es hauptsächlich um die Schilddrüse und Hormone.

Längeres Verweilen in einer Position harmonisiert und reguliert die Hormonproduktion. Der Schulterstand (Sarvangasana) beispielsweise wirkt direkt auf die Schilddrüse und sorgt für ein ausgeglichenes hormonelles Gleichgewicht. Die Stellung kann bei regelmäßiger Praxis den Stoffwechsel positiv beeinflussen und hilft langfristig sogar, erhöhten Blutdruck zu normalisieren. Der Pflug (Halasana) reguliert die Ausschüttung von Adrenalin und anderen stressreduzierenden Hormonen. 

Die Umkehrstellung (Viparita Karani Asana) verlangsamt den Alterungsprozess, indem sie den Stoffwechsel anregt und die Zellregeneration unterstützt. Auch der Bogen (Dhanurasana) hat eine positive Wirkung auf die Nebennieren, die für die Produktion von Stresshormonen wie Cortisol verantwortlich sind. 

Die Bauchspeicheldrüse, die für die Produktion von Insulin und die Regulierung des Blutzuckers verantwortlich ist, wird durch sanfte Rückbeugen wie den Bogen (Dhanurasana) aktiviert. Drehhaltungen wie die Rückraddrehung (Ardha Matsyendrasana) massieren und fördern die Funktion der Nebennieren, die Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol ausschütten. Die Heuschrecke (Shalabasana) stärkt die Unterleibsorgane, Leber, Nieren und die Bauchspeicheldrüse.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Hypophyse, auch „Meisterdrüse“ genannt, da sie viele andere Drüsen steuert. Umkehrhaltungen wie der Kopfstand (Shirshasana) fördern die Durchblutung des Kopfes und unterstützen so die Funktion dieser zentralen Drüse. Die Zirbeldrüse, die wie schon im ersten Teil beschrieben, Melatonin produziert und den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert, wird ebenfalls durch Asanas aktiviert, die den Nacken und Kopfbereich stimulieren.

Die Langsamkeit der Ausfühung und Verbleiben in einer Position intensivieren die hormonelle Wirkung, indem die Drüsen über längere Zeit stimuliert werden. Dadurch wird nicht nur die Stressresistenz verbessert, sondern auch das hormonelle Gleichgewicht gefördert, was sich unter anderem positiv auf das Gewicht und die allgemeine Vitalität auswirkt.

Die Wirkung auf die Organe

Die Yoga-Stellungen wirken gezielt auf unterschiedliche Organe und verbessern deren Funktion durch die körperliche Haltung und die damit verbundene Förderung der Durchblutung. So steigert der Kopfstand die Blutzirkulation im Gehirn und entlastet das Herz, da der Blutfluss umgekehrt wird. Gleichzeitig unterstützt er die Reinigung des Blutes und regt die Vitalität des gesamten Körpers an. Diese Umkehrhaltungen wirken besonders intensiv, wenn sie über längere Zeit gehalten werden, da sie dann eine tiefere Wirkung auf die Organe haben. Der Schulterstand (Sarvangasana), wirkt harmonisierend auf die Leber und die Milz und stärkt den Stoffwechsel. Der Pflug (Halasana) insbesondere den Verdauungstrakt und reguliert die Organfunktionen, was ihn ideal bei Problemen wie Übergewicht oder Diabetes macht. Auch die umkehrende Stellung (Viparita Karani Asana) hat eine stark revitalisierende Wirkung auf die Organe, indem sie den Stoffwechsel anregt und den körperlichen Verfallsprozess hemmt. Langes Verweilen in diesen Positionen intensiviert die therapeutische Wirkung, da es eine längere Blutzirkulation und bessere Versorgung der Organe ermöglicht.

So profitieren auch die inneren Organe von den verschiedenen Yoga-Haltungen. Die Verdauungsorgane, wie Magen, Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse, spielen eine zentrale Rolle bei der Nährstoffaufnahme und Entgiftung des Körpers. Drehhaltungen wie die Rückraddrehung (Ardha Matsyendrasana) den Bauchraum, fördern die Peristaltik des Darms und regen die Entgiftungsfunktion der Leber an, der Bogen (Dhanurasana) wirkt durch gezielte Kompression und Dehnung des Bauchraums, und trägt zur besseren Funktion der Leber bei. Sie helfen bei der Regulierung von Verdauungsprozessen. So kann Yoga als innere Massage gesehen werden. Es gibt noch weitere Asana, die sich förderlich auf den Verdauungsaparat auswirken, auch die Bauchdehnung (Supta Vajrasana) oder die Palme (Tadasana) in Bewegung regt die Verdauung an und verbessert den Stoffwechsel. Auch die Nieren, die eine zentrale Rolle bei der Blutreinigung und der Regulation des Flüssigkeitshaushalts spielen, profitieren von sanften Rückbeugen und Drehungen.

Des Weiteren haben Asasa eine Wirkung auf die Atmung und Herz-Kreislauf-System.

Der Fisch (Matsyasana) und die Kobra (Bhujangasana) sind besonders wirkungsvoll für das Atemsystem und das Herz-Kreislauf-System. Der Fisch öffnet den Brustkorb, verbessert die Lungenkapazität, fördert eine tiefere Atmung und hilft bei Atemwegserkrankungen wie Bronchitis und Asthma. Kobra stärkt das Herz und die Lunge. Zusätzlich verbessert sie die Flexibilität der Wirbelsäule und lindert Beschwerden wie Ischias- oder Bandscheibenprobleme.

Dieser umfassende Blick auf die ganzheitliche Wirkung, läßt uns das volle Potential von Yoga erkennen.

Fazit

Die achtsame Ausführung der Asanas mit statischem Verweilen in den Körperhaltungen stärkt die Verbindung zwischen Körper und Geist und schafft ein ganzheitliches Gleichgewicht, das über die rein körperliche Ebene hinausgeht.

Der Körper wird nicht nur gedehnt und gestärkt, sondern auch auf emotionaler und energetischer Ebene tief beeinflusst, was zu einer umfassenden Harmonie und einem gesteigerten Wohlbefinden führt.

Man kann sagen, Yoga ist ein Schlüssel, um Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen – und ein Geschenk, das wir uns selbst jeden Tag machen können. Das klassische Yoga-Programm ist weit mehr als eine Abfolge von Körperhaltungen; es hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Nervensystem, die Hormone und Drüsen sowie die inneren Organe. 

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